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In den vergangenen sechs Wochen habe ich im Abstand von zwei Wochen an drei Läufen teilgenommen - und dabei festgestellt, dass sich die Erkenntnisse beim Laufen aufs Leben übertragen lassen. Frei nach Emil Zatopek: "Wenn du laufen willst, dann lauf eine Meile. Willst du aber ein neues Leben, dann lauf Marathon."

Da ich erst mit dem Laufen angefangen habe, als ich davon ausgehen musste, dass die Hälfte meines Lebens ohnehin vorbei ist, habe ich Zatopeks Rat in Form von Halbmarathon-Läufen umgesetzt. Meinen ersten Halbmarathon lief ich vor sechs Jahren in Meran in zwei Stunden und vier Minuten. Damals hätte ich noch nicht gedacht, dass das Laufen einmal ein wichtiger Bestandteil meines Lebens werden würde. Inzwischen ist es das jedoch. Laufen befreit und entspannt nach einem anstrengenden Arbeitstag, ich kann dabei meinen Gedanken nachhängen und die Landschaft geniessen. Und es hilft dabei, seine Figur zu halten, ohne sich allzu sehr um das Zählen von Kalorien kümmern zu müssen. Ich finde zudem, es ist eines des besten Anti-Aging-Mittel. Denn im Laufe der Zeit und mit regelmässigem Training bin ich kontinuierlich schneller geworden und habe mich in der Rangliste meiner Alterskategorie immer weiter nach vorne gearbeitet. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich seit 1,5 Jahren vegan ernähre. Und natürlich unterstützt mich mein Online-Trainingsplan "runningCoach".

Nachdem ich letztes Jahr beim Luzern Halbmarathon 1h 50 min gelaufen bin, hatte ich mir für dieses Frühjahr vorgenommen, meine Bestzeit unter 1h 50 min zu senken. Am Wiener Halbmarathon sollte es sein. Schliesslich hatte es mir mein Läufer-Gatte versprochen, als Geburtstags-geschenk, inkl. der Reise und seiner Pacemaker-Dienste. Die ersten Kilometer liefen wir Seite an Seite und fühlten uns pudelwohl, bei einem Tempo, das auf eine deutliche neue Bestzeit hinwies. Aber wir waren natürlich - wie fast immer - zu schnell gestartet. Aus meinem entspann-ten Laufstil mit einem Lächeln im Gesicht wurde darum ab km 13 ein mühsames Kämpfen. Bis km 21 musste ich mich durchbeissen. Weil es sehr warm wurde, ging mir mein Trinkproviant aus und ich musste immer wieder an den Trinkstationen Halt machen. Und so schmolz unser Vorsprung auf die Marschtabelle langsam dahin, meine Kräfte liessen nach. Bei Kilometer 19 sagte ich mir: "Das lasse ich mir jetzt nicht mehr nehmen" und mobilisierte noch einmal all meine Kräfte. Schliesslich lief ich die angepeilte neue Bestzeit mit 1 h 49 min, hatte mir aber insgeheim mehr erhofft, weil anfangs ja alles so prima gelaufen war. So erreichte ich nicht nur ziemlich fertig das Ziel, sondern konnte mich nicht mal richtig freuen über meine Leistung.

Zwei Wochen später stand der nächste gemeinsame Halbmarathon auf dem Programm - im schönen Meran. Da mein Mann sonst Marathon läuft, war das für ihn nur ein lockeres Auslaufen nach dem Zürich-Marathon. Ich hingegen fühlte mich noch nicht wieder richtig fit. Doch nach der Erfahrung von Wien schwor ich mir, diesmal den Lauf einfach zu geniessen, mit entspanntem Lächeln zu laufen und auf dem Zielfoto souverän locker in die Kamera zu strahlen.

Und siehe da: es gelang tatsächlich! Die Zeit war nur unwesentlich langsamer als in Wien, obwohl viel mehr Höhenmeter zu überwinden waren - so gesehen liefen wir sogar gleich schnell, wie bei meinem "Rekordlauf". Aber eben: total entspannt, kontrolliert und souverän. Ein reiner Genuss. Man sieht es auch auf den Fotos vom Lauf.

Fazit: Weil ich nicht verbissen auf eine Zeit hin gelaufen waren, sondern das Rennen so anging, dass ich immer entspannt lief, erreichte ich die gleiche Leistung, strahlte aber etwas ganz anderes aus. Welche Leistung ist nun höher einzustufen? Wohl die zweite, für mich selbst, aber gewiss auch für Aussenstehende, denn schliesslich ist man als Hobbyläuferin ja aus Spass dabei und sollte entsprechend unverkrampft und gelöst wirken. Das liegt am richtigen Rhythmus, an der richtigen Strategie und vor allem an der Wahl eines Tempos, das einem wirklich entspricht. Gleichzeitig ist es aber auch eine wichtige Erfahrung, mal seine Grenzen zu überschreiten und sich neue Ziele zu setzen, sich auch mal durchbeissen zu können, auch wenn es weh tut.

Diese Erfahrung lässt sich auf das berufliche und das private Leben übertragen. Wer zu schnell losrennt, verrennt sich eher, als diejenige, die sich erst mal Zeit nimmt, in sich hineinzuhorchen und überlegt vorgeht. Wer lächelnd seine Ziele erreicht, strahlt etwas aus und genau dies wird von der Umwelt als wirklicher Erfolg gesehen. Den erschöpften Sieger bedauert man eher. Der erste Marathonläufer bezahlte seinen schnellen Lauf mit dem Leben, wie die griechische Sage berichtet. Er war wohl zu schnell losgelaufen.




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